Strom macht glücklich, Ehrenwort!
Juli 18th, 2007 by Philipp Schaer
Ich beschäftige mich aktuell in einem Projekt mit dem deutschen Strommarkt. Die Entwicklung in diesem Markt seit der Liberalisierung im Jahre 98/99 ist aus Markensicht äusserst interessant. Seit dieser Zeit wurden mit einem nie dagewesenen Kraftakt Strommarken aus dem Nichts heraus erschaffen und mit der ganz grossen Werbekeule innert kurzer Zeit zu Markenbekanntheitsgraden von 98% (ungestützt) und mehr geprügelt. Die bekanntesten Vertreter dieser Spezies sind sicher die EnBW-Marke Yello und E.On. Nur: Markenbekanntheit ist nicht der Weisheit letzter Schluss.
Heute ist das Image der Energieanbieter in Deutschland so schlecht wie nie. Keiner anderen Branche wird weniger Vertrauen entgegengebracht, von keiner Branche fühlen sich die Deutschen mehr “abgezockt”. Was ist passiert?
Mit der Liberalisierung wurden die Stromanbieter ins kalte Wasser des freien Wettbewerbs geworfen, ohne jeglichen Schimmer wie man den Absatzmarkt adressiert. Die Verantwortlichen sind den Kreativen der Werbeagenturen blind gefolgt. Resultat waren sinnentleerte, künstliche Spassmarken gepaart mit ständigen Preiserhöhungen bei gleichzeitiger Vermeldung von Rekordgewinnen .
Eine kleine Bildergeschichte dazu:
bunte, lustige, Spassmarken, die sich am liebsten mit sich selber beschäftigen (yello vs. RWE)…
…oder mit Fröschen, Schweinehunde, virtual Eves, dem Kaiser und Tom&Jerry (Testimonials aus den letzten Jahren)…
…dazu kamen faktisch schlicht unwahre Botschaften, wie das Versprechen seinen Strom aus Quellen wie Wind, Wasser, Sonne selber mixen zu können (E.ON). Tatsächlich kam der Grossteil weiterhin aus Atommeilern aus dem Osten….
… Und DAS halten die Menschen davon….
This entry was posted on Mittwoch, Juli 18th, 2007 at 9:39 am and is filed under alle. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.


















Juli 19th, 2007 at 11:33 am
Da ist schon was ‘dran. Strom ist gelb! Who cares? Ehrlich gesagt keiner, denn Strom ist ein typisches Low-Involvement-Produkt. Zudem werden die Gebühren jährlich vom Konto abgebucht. Was kostet es? Was kann ich sparen, wenn ich wechsle? Keine Ahnung. Keine Transparenz!
Übrigens, seit kurzem versucht es E.ON ebenfalls mit einer Zweitmarke: “E wie einfach”. Ob’s hilft? Eher nicht. Und EnBW (Yello) ist gerade dabei, sich ein elektrisierendes “Sound Branding” von John Groves entwickeln zu lassen. Klingt gut? Steigt die Spannung? Wird der Funke überspringen? Warten wir’s ab. Wo ist eigentlich meine Stromrechnung?